Wieso haben wir eigentlich kein Obst und Gemüse im Sortiment?

Ein Grund hierfür ist zum Beispiel der wenige Platz, den wir in unseren Läden zur Verfügung haben. Eigentlich möchte Tante Olga nur die Lücke im unverpackten Angebot schließen (Obst und Gemüse gibt es ja mancherorts unverpackt). Ein weiterer Grund ist die Art und Weise, wie wir heute Landwirtschaft und Handel betreiben. Dieser führt sehr strukturell und ohne, dass sich jemand etwas Böses dabei denkt, zu immensen Umweltschäden und großer Verschwendung. Deshalb verkaufen wir frische Produkte nur sehr eingeschränkt.

Die Solidarische Landwirtschaft bietet in vielerlei Hinsicht einen Ausweg aus diesem Dilemma.

1.

Im Handel wird niemals genau das Gemüse verkauft werden, was auf dem Feld angebaut wird. Weil der Bauer nicht weiß, worauf wir morgen Lust haben und schon gar nicht, wie das Wetter wird und was genau dabei rauskommt. Deshalb muss immer mehr Ware produziert werden, als verkauft wird. Da Gemüse nicht lange haltbar ist, muss immer aussortiert werden. Je mehr Auswahl zur Verfügung steht, desto mehr muss auch aussortiert werden.

Die Solidarische Landwirtschaft funktioniert anders. Denn dort kaufe ich die Gemüsesorten nicht einzeln. Ich zahle einen monatlichen Mitgliedsbeitrag für die Anbaugemeinschaft und erhalte im Gegenzug einmal die Woche eine Lieferung Gemüse, das ich mir in einer der Ausgabestellen abholen kann. Eben genau das Gemüse, was gerade auf dem Feld anfällt. Gibt es gerade viele Zucchinis, bekomme ich viele Zucchinis. Wenn ich etwas nicht mag, so kommt es in die Geschenkekiste und jemand anders kann es mitnehmen.

2.

Von meinen monatlichen Mitgliedsbeiträgen wird die Personen bezahlt, die das Gemüse anbauen. Für Landwirte*innen bedeutet das einen sicheren Arbeitsplatz und ein Einkommen auch wenn es mal wieder monatelang nicht regnet oder es in einem Jahr Kürbisse in solcher Fülle gibt, dass sie im Handel zu Spotpreisen verscherbelt werden.

3.

Der Betrieb muss auch nicht mit dem Kürbis aus Osteuropa konkurrieren, der zwar etliche Kilometer auf dem Buckel hat, aber trotzdem billiger sein kann. So steht die solidarische Landwirtschaft auch nicht unter dem hohen Druck alles immer billiger und effizienter zu machen. Effizienz ist zwar sinnvoll, in der Landwirtschaft bedeutet es in der Regel aber nur eine sehr kurzfristige Effizienz, die eine sukzessiven Verlust von fruchtbarem Boden, einen hohen Einsatz an Pestiziden mit sich bringt und schwere Maschinen nötig macht, die wiederum dem Boden schaden. In der Solidarischen Landwirtschaft ist auch langfristige Effizienz möglich, die sich ein normalerlLandwirtschaftlicher Betrieb kaum leisten kann.

4.

Deshalb kann sie sogar noch vorteilhafter für die Umwelt sein als ein Bio-Anbau. Hier sind zwar Pestizide und Überdüngung verboten, aber keine Monokulturen oder schwere Maschinen. Eine Mischkultur, die weniger Dünger benötigt und sich gegenseitig Schädlinge abhält ist bei der Solawi möglich, weil hier viel mit Handarbeit bewältigt wird.

5.

Diese Handarbeit stammt jedoch nicht von eingeflogenen, unterbezahlten Saisonarbeitern. Wir Mitglieder*innen der Erntegemeinschaft kommen selbst aufs Feld und unterstützen bei der Fleißarbeit.

6.

Wir müssen weder einfliegen, noch in Massenunterkünften hausen, weil der Acker ganz in der Nähe liegt. Das Gemüse ist so regional, dass es nur noch der eigene Garten übertreffen kann. Darüberhinaus auch noch saisonal. So bekommen wir live mit, wann welches Gemüse reif wird, wie lang es gelagert werden kann und warum die Fastenzeit gerade im März ist. Diese Nähe ist es, die mir ein Stückchen Natur und Gemeinschaft zurückbringt. Wenn wir zusammen auf dem Feld anpacken und danach ein gemütliches Erntedankfest feiern, frage ich mich, warum Landwirtschaft nicht immer so organisiert ist.

7.

Auf einem normalen Betrieb verlässt vieles das Feld noch nicht mal, weil es nicht die richtige Form oder Größe hat oder weil zu viel davon da ist und sich das Arbeiten bei einem schlechten Weltmarktpreis nicht lohnt. Das klingt erstmal bescheuert, aber nimmst du nicht auch lieber die schönsten und größten Exemplare, wenn du die Wahl hast? Gurken kann man doch viel besser stapeln, wenn sie gerade gewachsen sind! Dann bekommt man mehr davon auf einen LKW bzw. braucht man weniger LKWs um all die Gurken zu transportieren. Und je nachdem wo die Gurken herkommen bedeutet das viel CO2. Also doch lieber die krumme Gurke vom Feld nebenan, oder?

8.

Natürlich ist das Angebot begrenzt, auf das was gerade wächst und auf das was nicht dem Klimawandel zum Opfer gefallen ist. Wir als Konsumenten haben uns mittlerweile an eine üppige Auswahl gewöhnt, weshalb uns der Gedanke schwerfällt, sich von der dauerhaften Verfügbarkeit und Fülle zu verabschieden. Tatsächlich kann uns genau das aber sehr gut tun. Denn Studien zeigen, dass uns zu viel Auswahl überfordert und unzufrieden macht und wir letztlich doch immer das gleiche kaufen. Das ist auch eine Erfahrung, die ich aus dem letzten 7 Jahren Zero Waste immer wieder feststelle, dass mir die geringere Auswahl nicht als Verzicht, sondern als Entlastung vorkommt.

Hard Fakts

Köln hat zwei Solidarische Landwirtschaften. Die Solawi Köln (bei der auch wir Mitglied sind) und die Gemüsekoop. Die Solawi hat eine ihrer Ausgabestellen bei uns im Laden, in Sülz und in Nippes. Die Gemüsekoop nur in Sülz.

Beide funktionieren nach dem Prinzip eines solidarischen Mitgliedsbeitrags. Deshalb gibt es auch keine festen Beträge. Die Verteilung wird einmal im Jahr bei der Bieterrunde ausgehandelt. Wer mehr hat, zahlt mehr, wer weniger hat zahlt weniger.

Wollt ihr mehr wissen oder gleich mitbieten, kommt noch schnell zur letzten Infoveranstaltung. Die Bieterrunde ist im Anschluss. Wer nicht kann, kann sich auch vertreten lassen mit ein bisschen Glück auch noch nachträglich einsteigen.

Sa, 07.11., 13:00 Uhr, Kulturbunker Mülheim: Infoveranstaltung
Sa, 07.11., 14:00 Uhr, Kulturbunker Mülheim: Bieterunde